Wirkung von Naturstoffen auf Lymphödeme
Melilotus, Rutin und Bromelain bei primärem und sekundärem Lymphödem
Die Studie von Michelini und Kollegen untersuchte die Wirksamkeit einer Kombination aus Melilotus (Steinklee), Rutin und Bromelain bei Patienten mit primärem oder sekundärem Lymphödem im Stadium I und II. 52 Patienten erhielten über sechs Monate täglich eine Tablette mit 100 mg Melilotus, 300 mg Rutin und 100 mg Bromelain. Es zeigte sich eine signifikante Reduktion des Gewebeödems, Verbesserung der Lebensqualität und keine relevanten Nebenwirkungen.
1.) Studiendaten
Studienart | Voruntersuchung |
Evidenzgrad | Niedrig |
Grundlage der Studie | 52 Patienten mit primärem oder sekundärem Lymphödem im Stadium I und II |
Erscheinungsjahr | 2019 |
Journal | Lymphology |
Erstautorin | Michelini S. |
2.) Einleitung
Lymphödeme entstehen durch eine unzureichende Transportkapazität des Lymphsystems und führen zu Flüssigkeits- und Proteinansammlungen im Gewebe. Klassische Therapieansätze beinhalten physikalische Maßnahmen wie manuelle Lymphdrainage und Kompressionstherapie, ergänzt durch pharmakologische Behandlungen. Dennoch besteht ein hoher Bedarf an zusätzlichen Therapien, die gezielt entzündliche Prozesse modulieren und die Lymphgefäßfunktion unterstützen. Benzopyrone wie Coumarin (in Melilotus) und Rutin beeinflussen die Mikrozirkulation und wirken membranstabilisierend sowie antiödematös. Bromelain, ein proteolytisches Enzym aus der Ananas, ist für seine entzündungshemmenden und fibrinolytischen Eigenschaften bekannt. In Kombination könnten diese Substanzen synergistische Effekte erzielen, die über die Einzelwirkung hinausgehen. Ziel dieser Studie war es, die Effektivität und Verträglichkeit dieser phytotherapeutischen Kombination bei Patienten mit Lymphödem im Frühstadium zu evaluieren.
3.) Materialien und Methoden
52 Patienten (50 Frauen, 2 Männer, 14–70 Jahre) mit primärem oder sekundärem Lymphödem der oberen oder unteren Extremitäten im ISL-Stadium I oder II wurden eingeschlossen. Ein Teil der Patienten litt seit weniger als sechs Monaten an einem Lymphödem, während andere bereits seit über zehn Jahren betroffen waren, was eine heterogene und repräsentative Patientengruppe sicherstellte. Ausschlusskriterien waren trophische Hautveränderungen, schwere Herz- oder Niereninsuffizienz sowie fortgeschrittene Lebererkrankungen. Vor Beginn und nach Abschluss der Behandlung wurden hochauflösende Ultraschalluntersuchungen zur Bestimmung der Gewebedicke durchgeführt. Zusätzlich erfolgte eine segmentale Lymphszintigraphie bei primären Lymphödemen zur diagnostischen Absicherung. Begleittherapien wie Kompressionsbehandlungen und bereits bestehende medikamentöse Therapien wurden während der Studienzeit nicht verändert, um die Effekte der getesteten Kombination isoliert beurteilen zu können. Die Erhebung umfasste objektive Messgrößen wie Pitting, Umfänge und Ultraschallwerte sowie subjektive Parameter wie Schmerzen (VAS) und Lebensqualität (SF-12). Die Leberfunktion wurde durch Laborwerte (ALT, AST, GGT, Bilirubin) überwacht, um die Sicherheit der Therapie zu gewährleisten.
4.) Resultate
Nach sechs Monaten zeigte sich eine deutliche klinische Verbesserung bei den Patienten. Das Pitting verschwand bei 72 % der Teilnehmer vollständig, während bei den übrigen Fällen eine klare Abschwächung beobachtet wurde. Die mittleren Umfänge der betroffenen Gliedmaßen reduzierten sich im Durchschnitt um 4,2 cm, was einer Verringerung von etwa 6 % entspricht. Besonders bemerkenswert war, dass sich diese Reduktion sowohl an oberen als auch an unteren Extremitäten zeigte, was auf eine gleichmäßige Wirksamkeit der Therapie hinweist. Die Ultraschallmessungen zeigten eine mittlere Reduktion der subkutanen Gewebedicke um 29 %, wobei 27 % der Patienten eine Reduktion von mehr als 10 % aufwiesen.
Die Lebensqualität, erfasst mit dem SF-12-Fragebogen, verbesserte sich signifikant: Die Anteile der Kategorien „gut“ und „sehr gut“ stiegen deutlich, während „schlecht“ und „passabel“ abnahmen. Auch die Schmerzintensität sank erheblich: Die Werte auf der VAS-Skala reduzierten sich um bis zu 63 %, was auf eine deutliche Verbesserung der Alltagsbelastung hinweist. Es wurden keine Nebenwirkungen festgestellt; insbesondere zeigten die Laborparameter der Leberfunktion keine pathologischen Veränderungen. Zudem wurden keine relevanten Unterschiede zwischen Patienten mit primärem und sekundärem Lymphödem festgestellt, was die breite Anwendbarkeit dieser Therapie unterstreicht.
5.) Zusammenfassung
Die Kombination aus Melilotus, Rutin und Bromelain erwies sich als gut verträgliche und wirksame Zusatztherapie bei primärem und sekundärem Lymphödem im frühen Stadium. Sie führte zu einer signifikanten Reduktion von Ödemen, einer spürbaren Linderung der Schmerzen und einer verbesserten Lebensqualität. Besonders hervorzuheben ist, dass sich diese positiven Effekte ohne relevante Nebenwirkungen und unabhängig von der Ätiologie des Lymphödems zeigten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine Ergänzung der Standardtherapie durch diese Phytokombination nicht nur die physische Belastung der Patienten mindern, sondern auch deren Lebensqualität nachhaltig verbessern kann. Die Studie legt nahe, dass eine solche phytotherapeutische Ergänzung eine sinnvolle Unterstützung der Standardtherapie darstellen kann. Größere kontrollierte Studien sind notwendig, um die Ergebnisse weiter zu bestätigen und auch Langzeiteffekte sowie die Anwendbarkeit in fortgeschritteneren Stadien zu untersuchen.
Ihre Fragen, unsere Antworten
In dieser Studie wurden die Naturstoffe Steinklee, Rutin und Bromelain auf ihre Wirksamkeit bei Personen mit Lymphödem im Zuge einer klinischen Studie untersucht.
In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass es durch die Anwendung der Naturstoffe zu einer Reduktion des Umfangs der Extremitäten gekommen ist und die Lebensqualität sowie die Alltagsbelastung verbessert werden konnten.
Die Empfehlung der Studienautoren ist, dass die Kombination der Naturstoffe ein wirksamer Zusatz zu der Standardtherapie darstellt.
Es konnte anhand dieser Studie gezeigt werden, dass für die Wirkung der Naturstoffe die Herkunft des Lymphödems keine Rolle spielt, solange sich das Lymphödem in einem frühen Stadium befindet.
Weiterführende Studien müssen zeigen, ob die Naturstoffe auch bei Lymphödemen in fortgeschrittenem Stadium angewendet werden können.
Quellenverzeichnis
Michelini S, Fiorentino A, Cardone M. Melilotus, Rutin and Bromelain in primary and secondary lymphedema. Lymphology 2019;52(4):177-186.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32171184/



